Campact

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Dragon
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Re: Campact

Beitrag von Dragon » Di 11. Feb 2020, 09:52

Die Gefahr wächst

Der Tabubruch von Thüringen zieht Kreise: Annegret Kramp-Karrenbauer gibt den CDU-Vorsitz ab. Es besteht die Gefahr, dass sich die CDU nun für eine Zusammenarbeit mit der AfD öffnet. Wir sagen: Nicht mit uns! Schon am Samstag wollen wir mit Tausenden in Erfurt zeigen: Keine Deals mit Nazis! Doch so schnell eine große Demo zu stemmen, ist ein finanzieller Kraftakt. Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung – spenden Sie jetzt für den Protest.

Hallo

nach dem Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer vom Parteivorsitz ist der Richtungsstreit in der Union voll entbrannt: Macht die erzkonservative „Werte-Union“ als Brücke zu den Rechtsradikalen der AfD weiter Boden gut oder setzen sich Kräfte der Mitte durch? Fakt ist: Nach dem Rücktritt ist jetzt völlig offen, ob der Dammbruch von Thüringen das Ende oder erst der Anfang der Kooperation zwischen CDU und AfD war.

Es war bisher Konsens unter allen Demokrat*innen, dass Rechtsextremist*innen nie wieder bestimmenden Einfluss auf die Geschicke unseres Landes haben dürfen. Wir Bürger*innen sind es, die diesen Konsens jetzt einfordern müssen. Bei allem Übel, das letzte Woche passiert ist: Erst der schnelle und massive Protest der Zivilgesellschaft hat dafür gesorgt, dass es die nötigen Rücktritte in Thüringen gab.

Nur dürfen wir jetzt nicht nachlassen! Mit einer großen und breit getragenen Demonstration wollen wir daher an diesem Samstag zeigen: #NichtMitUns – Kein Pakt mit Faschist*innen, niemals und nirgendwo! CDU und FDP müssen merken: Wer mit der AfD paktiert, verliert. Bitte machen auch Sie sich auf den Weg, um für unsere Demokratie zu streiten:

Ort: Erfurt, Domplatz (Stadtplanlink)
Zeit: Samstag, 15. Februar, 13 Uhr

Bald sind Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Und man mag es kaum glauben, aber dort ist die CDU noch offener gegenüber der AfD. Ihr stellvertretender Fraktionsvorsitzender schließt sogar eine von der AfD abhängige CDU-Minderheitsregierung für Sachsen-Anhalt nicht aus.[1]

Sie merken: Die Mauern gegenüber Rechtsradikalen bröckeln. Dabei müssten sie nach Thüringen höher sein als bisher! Und genau das fordern wir an diesem Samstag in Erfurt.

Noch nie haben wir zusammen mit unseren Partnerorganisationen eine so große Demo in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt. Wir müssen jetzt sehr schnell Flyer drucken, Anzeigen schalten und Plakate kleben. Insgesamt 15.000 Euro haben wir kalkuliert. Und wir bitten Sie: Machen Sie die Demo am Samstag möglich – mit Ihrer Spende. Schon mit 5 Euro helfen Sie enorm!

Nach der Wahl von FDP-Mann Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten durch CDU, FDP und AfD dauerte es nicht lange, bis im ganzen Land spontan mehr als 20.000 Menschen auf die Straße gingen: Fassungslos und wütend standen sie in Erfurt vor dem Landtag oder vor der FDP-Parteizentrale in Berlin. Innerhalb eines Tages unterzeichneten rund 190.000 Menschen unseren Eil-Appell für einen Rücktritt Kemmerichs. Als der überfällige Rücktritt dann kam, begründete Kemmerich ihn auch mit den Reaktionen der Bürger*innen. Das macht Mut und zeigt, wie einflussreich wir als Zivilgesellschaft sind.

Wir wollen genau dort weitermachen: am Samstag auf den Straßen Erfurts. Getragen wird die Demo neben Campact von #unteilbar, dem DGB Bundesverband, Verdi, Aufstehen gegen Rassismus sowie vielen Akteur*innen aus Thüringen wie dem Bündnis zusammenstehen, dem BUND und Fridays For Future. Gemeinsam sagen wir: Macht nie wieder gemeinsame Sachen mit der AfD! Bitte unterstützen Sie uns dabei, in kürzester Zeit eine große und machtvolle Demonstration der Zivilgesellschaft zu starten – mit Ihrer Spende! Schon mit 5 Euro bringen Sie die Demo weit nach vorne.

Spenden Sie hier für die Demo
Ich kann heute leider nicht spenden
Herzlichen Dank!
Ihr Campact-Team

PS: Wie erfolgreich eine Bürgerbewegung im Kampf gegen Rechtsextremist*innen sein kann, hat Italien gezeigt. Dort verhinderten die riesigen Demos der Sardinen-Bewegung den sicher geglaubten Wahlsieg von Ex-Innenminister Matteo Salvini und seiner radikalen Lega in der Emilia-Romagna.[2] Unterstützen Sie deshalb die Großdemo am Samstag in Erfurt.

Spenden Sie hier für die Demo

Falls Sie das bevorzugen, können Sie auch direkt auf unser Aktionskonto überweisen:

Campact e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN DE51 2512 0510 6980 0014 71
BIC BFSWDE33HAN


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Re: Campact

Beitrag von Manu » Do 13. Feb 2020, 07:33

Ihr Lieben,

ich bin überwältigt von den vielen Solidaritätsnachrichten!

Danke, dass ihr meine Petition "Effektiver Opferschutz von Betroffenen der Onlinekriminalität" unterzeichnet habt!

Ich muss zugeben, dass ich mich sehr lange sehr einsam und alleingelassen gefühlt habe. Ich wusste nicht, was ich machen soll, oder wo ich mir Hilfe holen kann. Das ist nämlich eins der größten Probleme bei Hassangriffen, deren Ursprung im Netz liegt: Betroffene wissen oft nicht, wo sie Hilfe und Unterstützung bekommen. Gegen dieses Problem schlage ich in meiner Petition vor, dass die Polizei mit Informations- und Beratungsstellen kooperiert, die Betroffenen mit konkreter, akuter Hilfe und psychologischer Unterstützung zur Seite stehen.

Als das Ganze für mich begann, erhielt ich auf Twitter täglich mehrere Suizidaufforderungen. Das machte mich fertig, und als ich einem anderen User schrieb "Ich kann nicht mehr", wurde das von vielen als Erfolgsschein genommen. Sie teilten Screenshots von meiner Aussage, um die Wirksamkeit ihrer Hasskampagne zu beweisen, um zu zeigen, wie sie es mir so richtig gezeigt hätten. Sie hatten ein Erfolgserlebnis. Wie sie gefeiert hätten, wenn ich das tatsächlich nicht ausgehalten und mir das Leben genommen hätte?

Das mag zwar übertrieben klingen, allerdings ist das bereits in den USA passiert. Die 18-jährige Brandy Vela nahm sich vor den Augen ihrer Eltern das Leben, weil sie das jahrelange Mobbingnicht mehr aushielt. Vela wurde gemobbt - mit Fakeprofilen, frauenfeindlichen Beleidigungen, durch Stalking u.a. Als sie Hilfe suchte, hieß es, dass man nichts machen könne. Hier erzählt ihre Schwester, wie es war. Und hier kann man nachlesen, dass selbst nach ihrem Suizid weiterhin Fake-Profil in ihrem Namen geöffnet wurde, auf denen sich Menschen über ihren Tod lustig machten.

Zuerst bis in den Suizid quälen und sich dann darüber lustig machen. So weit geht die Gewalt, deren Ursprung im Netz liegt.

Während die Anonymität so furchtbare Taten erlauben kann, brauchen das andere unbedingt, um sich auf den sozialen Netzwerken politisch äußern zu können, ohne Angst um ihr Leben haben zu müssen. Wir wissen, dass Nazis Feindeslisten führen, auf denen Namen und Adressen stehen. Während politische Gegner*innen von Nazis zur Zielscheibe gemacht werden, werden andere alleine aufgrund ihrer Existenz angefeindet, selbst wenn sie sich nicht politisch äußern, zum Beispiel wie bei den NSU-Morden.

Die NSU-Morde und der Umgang damit traumatisierte in Deutschland mehrere Generationen von Menschen mit Migrationsgeschichte. Der Mord an Walter Lübcke verursachte teilweise Retraumatisierungen, vor allem aufgrund der stechenden Ruhe nach dem Attentat. Eine Freundin fragte mich, ob sich die Öffentlichkeit überhaupt für "unser" Schicksal interessieren würde, wenn "uns" dasselbe passiert. Immerhin schwieg die Öffentlichkeit zuerst einmal, obwohl es um einen konservativen CDU-Politiker ohne Migrationsgeschichte ging. Diese Frage stammt aus den Wunden, die der Umgang mit den NSU-Morden verursachte.

Anonymität schützt Leben. Die Bundesregierung will allerdings, dass mehr Überwachung im Netz eingeführt wird. So sollen die Daten der Nutzer*innen von gemeldeten Inhalten auf den sozialen Netzwerken - egal, ob es sich tatsächlich um strafbare Inhalte handelt - gleich an die LKAs weitergeleitet werden. Der Gesetzesentwurf von Christine Lambrecht für eine Reform des NetzDG sieht sogar vor, dass künftig alle Telemediendienste selbst bei Ordnungswidrigkeiten die Daten der Nutzer*innen an die Behörden geben. Das ist Überwachung, und Überwachung schützt nur die Falschen. In meiner letzten Kolumne habe ich ausführlich erklärt, warum ich NetzDG für disfunktional halte. Ich bin überzeugt, dass NetzDG nicht reformiert, sondern abgeschafft werden muss.

Viele fragen mich über E-Mails, wie sie mir helfen können. Erstmal: Danke! Alleine diese Frage bedeutet mir viel und zeigt, dass es vielen nicht egal ist, was da passiert. Gerne könnt ihr weiterhin meine Petition über eure Netzwerke verbreiten. Und wenn ihr mir noch anderweitig helfen wollt, könnt ihr immer meine Texte lesen - das ist für mich das Wichtigste. Aufgrund der Angriffe komme ich inzwischen viel mehr als Opfer zu Wort als als politische Autorin. Viel mehr muss ich über die Gewalterfahrungen sprechen als über meine Arbeit. Die Gewalt und der Umgang damit kostet unfassbar viele Ressourcen und lenkt mich vom Wesentlichen ab - von der politischen Arbeit, die ich machen möchte, und von meinen Zielen, die ich als Autorin erreichen möchte. Genau das ist auch deren Ziel. Lasst das bitte nicht zu.

Ich danke euch herzlich für eure Unterstützung.

Liebste Grüße
Sibel Schick


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